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Viele Traditionssegler ab 2018 vor dem Aus  

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abc-haus
Mitglied
Beigetreten:vor 1 Monat 
Beiträge: 1
7. November 2017 20:13  

Moin,

sicherlich ein zwiespältiges Thema. Aber warum greift hier nicht eine Art besserer Denkmalschutz für Traditionsschiffe?

https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/alexander-dobrindt-umgeht-treffen-mit-traditionsschiffern-id16899306.html

 

Bearbeitet:vor 1 Monat 

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bythewind
Member Moderator
Beigetreten:vor 13 Jahren 
Beiträge: 520
12. November 2017 15:36  

Ein schwieriges Thema, mit dem ich mich auch schon lange befasse. Hatte vor 10 Jahren meine Diplomarbeit zum Thema Traditionsschiffe geschieben. Denkmalpflege ist eine Seite, die Sicherheit der Beteiligten (Mitsegler, Crew, andere Verkehrsteilnehmer, Umwelt) ist eine andere. Hier gilt es einen geeigneten Kompromiss zu finden. Leider sind die vom Verkehrsministerium vorgesehenen Massnahmen zu einem großen Teil nicht tauglich, wirkliche Verbesserungen zu bewirken. Andererseits sehen aber viele Tradischiffer ihr Schiff und die ganze Szene sehr durch die rosarote Brille. Ich bin häufig auf Tradischiffen unterwegs und kenne dort viele sehr kompetente Stammcrewmitglieder, die ehrenamtlich viel leisten und eventuell auf Grund von für ihr Schiff vollkommen überzogenen Anforderungen demnächst nicht mehr ihrem Hobby nachgehen können. Es gibt aber auch 80jährige Steuermänner, die mit zentimeterdicken Glasbausteinen vor den Augen am Ruder stehen und mit einem ganzen Medikamentenkoffer anreisen, weil sie bereits zwei Herzinfarkte, Gicht und grünen Star haben. Ob allerdings die Pflicht zur vollen Seediensttauglichkeit für alle Stammcrewmitglieder da die richtige Maßnahme ist, wage ich zu bezweifeln. Die würde nicht nur dem multi-morbiden Oppa von der Brücke entfernen, sondern auch den auch etwas übergewichtigen Schiffskoch, der auf der Tagesfahrt die Erbsensuppe für die Mitsegler zubereitet.


navigator und Andrej mögen
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Andrej
Admin Admin
Beigetreten:vor 13 Jahren 
Beiträge: 1169
13. November 2017 00:13  

Moin Bärbel,
es ist ja alles nur eine Frage der Verantwortung, also wer diese übernimmt bzw. die "Pappnase" auf hat. Eine kleine Schiffsbesetzungsverordnung light für Tradischiffe wäre sicher gut. Z.B. Skipper mit einem Befähigungsnachweis und eine Deckshand, beide mit einer "Seediensttauglichkeit light" - zumindest insoweit, dass man auch sicherstellen kann, dass die, die die Pappnase aufhaben, auch nicht ganz loco sind, Rot und Grün unterscheiden können.
Naja. Viele Wenn und Abers.
Finde es aber schade, dass ein CSU-ler wie Dobrindt hier die Traditionsschiffer ganz offensichtlich nicht mit aufgenommen hatte in seinem "Ausschuss"/"Gremium".

LG 🙂


navigator mögen
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bythewind
Member Moderator
Beigetreten:vor 13 Jahren 
Beiträge: 520
14. November 2017 16:58  

Hallo Andrej,

der Traditionsschifferschein (SHS mit Zusatzbefähigung) ist für die Traditionsschiffe (alle unter 500 BRZ) vollkommen ausreichend. Im Gegenteil - jemand, der eine Ausbildung gem. STCW durchlaufen hat, aber keine vorherige Erfahrung auf Großseglern hat, stellt ein Problem dar, weil er die Möglichkeiten des Schiffes über- und die Gefahren unterschätzt. Solche Leute trifft man z.B. auf der Alexander von Humboldt II, die gem. Besetzungszeugnis Kapitän und Chiefmate mit STCW-Papieren fahren muss. Da werden manchmal Leute schanghait, die noch nie im Leben auf einem Großsegler waren, aber nun auf einmal das Schiff als Kapt führen sollen. Ein regelmäßige gesundheitliche Überprüfung für die Nautiker halte auch ich für richtig und wichtig. Da aber Traditionsschiffe vom Prinzip her Sportboote sind, sollte hierbei eher eine Untersuchung in dem Rahmen, wie sie zum Erwerb des Sportbootscheines notwendig ist, gemacht werden.


Andrej mögen
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streetworker
Member Moderator
Beigetreten:vor 12 Jahren 
Beiträge: 1845
11. Dezember 2017 12:49  

Da muss ich nun doch mal meine Senf dazu geben, auch wenn ich die letzten Worte rechts auf jeder Zeile nur erahnen kann, die sind bei mir leider nicht lesbar.

So ganz grob gesagt, hat die deutsche Traditionsschifffahrt "3 Feinde" (bitte nicht so ganz wörtlich nehmen). Das Finanzamt, die Berufsgenossenschaft und jene, die glauben Traditionsschiffe seien Konkurrenz. Dazu kommt, dass sie keine ausreichende Lobby hat. Da, wo eine solche Vorhanden ist, gehen Wege ja auch mal in die andere Richtung (also jene, mit weniger Sicherheit).

So wurde vor ein paar Jahren der Führerscheinzwang beim Sportbootführerscheine (Binnen, See) von 5 auf 15 PS aufgebohrt und dieses Jahr beim SBF-Binnen (jetzt SBF mit dem Gültigkeitsbereich Binnenschifffahrtsstrassen) die max. zulässige Länge auf unter 20m (vorher 15m) raufgesetzt. Jeder der weiß wie Binnenprüfungen ablaufen.............

Unförmige Hausboote darf man ohne Vorkenntnisse mit einem (Charterschein), also so nen Schnellkurs der mehr ne Einweisung ist und auch nur für den jeweiligen Urlaub gilt, fahren. Politisch so gewollt um eine ganz bestimmten Wirtschaftszweig zu fördern.

Warum schauen wir nicht zu unseren Nachbarn in NL. Wirtschaftszweig Braune Flotte. Das sind zwar nicht alles "Dampfer" die unter den Begriff "Traditionsschiff mit musealen Charakter" fallen - aber auf z.B. Ameland zwischen zig-Plattboden im Päckchen zu liegen hat schon was.

Die wirklich "fahrenden Museumsschiffe" könnte dann auch mit klaren umrissenen Auflagen zum historischen Zustand und sehr vereinfachten Bestimmungen zur Schiffsbesetzung unterwegs sein, solange sie steuerlich der GemeinnützigkeitsVO (oder wie dat Ding sich nennt) unterliegen. Ihre Zahl würde etwas schrumpfen weil die "Grauzonenschiffe" verschwinden würden.

Sonst..... den Tradiotionsschifferschein halte auch ich für ausreichend. Genügend theoretischer Hintergrund und im Detail nachgewiesene praktische Erfahrung. Auch eine regelmäßige gesundheitliche Überprüfung (jene, wie zum Erwerb des SBF) halte ich ebenso, wie alle 2 Jahre Nachweis über 1. Hilfe für sinnvoll. Auch der Umgang mit Feuerlöscher und Brandschutzdecke sollte geübt sein, das muss kein Schein nach STCW sein - bei einem der Vereine in denen ich bin konnten wir dazu die freiwillige Feuerwehr gewinnen. Dummy zum abfackeln, Decke, Wasser, Pulver, CO2 - alles da, selbst das Thema Brandkathalysator wurde ausführlich behandelt.

Der AnfangsBeitrag bezog sich auf einen Artikel im Frühjahr dieses Jahres. Da hat sich zwischenzeitlich was getan. Bei folgendem Link runterscrollen - sind 3 Infos:

http://www.gshw.de

 

bis denne - Gruß, Rainer

 


navigator und Andrej mögen
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