Teambuilding und Motivation an Bord

Auf jedem Schiff herrscht ein bestimmter Geist. Das spüren Schiffsbesucher, wie Agenten, Lotsen, Behörden, aber ganz besonders natürlich derjenige, der einen ganzen Lebensabschnitt als Besatzungsmitglied darauf verbringt. Was hat es mit diesem “Geist”, mit diesem Klima auf sich, wie lässt er sich positiv verändern? Wer schon lange zur See fährt, wird bestätigen können, dass es Schiffe gab, auf denen eine Stimmung sehr straffer und unpersönlicher Hierarchie herrschte, Mannschaftsdienstgrade, häufig in geduckter Haltung ihre Vorgesetzten passierten und auch ansonsten ein Klima der Spannung im Hintergrund stand. Auch heute gibt es noch Vorgesetzte des selbst-bezeichnenden “alten Schlags”. Bei sehr großen Mannschaftsstärken und ggf. recht flegelhaften Matrosen auf manchen Schiffen damals konnte das evtl. gelegentlich auch Sinn gemacht haben. Nicht mehr heute. Die heutige Zeit ist sehr viel stärker dadurch geprägt, dass Schiffsgrößen sich gesteigert haben, Mannschaftsstärken minimiert und somit Effizienz die einzig zielführende Strategie ist, den Bordbetrieb, enge Hafenfolgen und positive Kontrollen von allen Seiten zu gewährleisten. Dadurch stoßen Menschen an ihre Grenzen. Und man muss auf sie zugehen.

Der größte Motivationsfaktor ist die Höhe der Heuer und der ‘gewisse Standard’. “If you pay peanuts, you get monkeys.” ist eine berechtigte Einstellung. Auf Dauer lässt sich bei Berufsethos aufrecht erhalten, wenn die Bezahlung schlecht sind. Zur Bezahlung sollte man auch das rechnen, was einem zusteht, der lange Zeit sein Leben an Bord verbringt – gute Behandlung und ein guter Standard. Natürlich ist es auch möglich selbst bei Disziplinar-Maßnahmen jemandem dies noch zukommen zu lassen.

Vorgesetzte müssen Vertrauen zeigen. Eine besondere mutige Herausforderung für den Vorgesetzten bzw. Kapitän oder Chief ist die Tatsache, dass es heute nicht mehr ohne die Übertragung von Verantwortungen geht, also nicht mehr ohne Vertrauen. Menschen, deren Urvertrauen durch irgendeinen Anlass einmal angebrochen wurde, müssen an sich selbst arbeiten lernen, um in der heuten Zeit einen Schiffsbetrieb leiten zu können. Menschen, die eine gute Ausbildung haben und bereits lange fahren können nicht schlecht sein, es kann meistens nur an der Kommunikation hapern. Wenn diese gestört ist, oder eine Haltung “peanuts – monkeys” eintritt, dann führt das allerdings zu Problemen.

Kommunikation an Bord ist die Grundvoraussetzung.  Vor den Bildschirmen, weit verteilt an Bord arbeitend oder im lauten Maschinenraum sind Gespräche bzw. Gespräche, bei denen Betroffene vollzählig sind, eher ein seltener Fall. Ein Rang-Niedrigerer möchte ggf. nicht stören und klassifiziert seine Frage oder Meldung dann doch schnell als unwichtig. Die Leiter Deck Department (Chief Mate) und Engine Department (Chief) haben häufig immer weniger Zeit für ihre Leute, da sie inzwischen nahezu voll ausgelastet sind mit Reports, Records, Formularen für die nächsten Häfen, Planungen und Bestellungen u.a. Für gründliche Deck- oder Maschinenrunden, bei denen Arbeiten kontrolliert und gewürdigt werden können besteht immer weniger Zeit, was zusätzlich auch den heutigen Schiffsgrößen geschuldet ist. Für lockere und gute Kommunikation ist also meistens wenig Zeit. In schlechten Fällen führt das dazu, dass man seine Mitarbeiter bzw. Vorgesetzten einfach zu wenig kennen lernt, um sie wirklich einschätzen zu können – und dennoch soll und muss man Verantwortung übertagen, zumindest Arbeiten delegieren.

  • Der Kapitän nimmt eine sehr wichtige weitere Rolle ein: Human Ressource Management, Recreation und Teambuilding. Das nicht erst seit gestern, aber diese Tradition muss in jedem Fall weiterhin hoch gehalten werden, damit an Bord alle merken, dass ein Team besteht, das zusammengehört, bei dem auch die Vorgesetzten nahbar (approachable) sind und persönlich/privat auch nur Menschen sind. Vor allem aber, dass Wertschätzung betont wird, die Expertise der “Praktiker” essentiell ist. Das muss im Rahmen von freiwilligen Barbecues, Happenings oder Parties stattfinden. Hier kann dann beides Geschehen. Freies Ansprechen von unausgesprochenen Fragen und Antworten zum Schiffsbetrieb, aber – auch sehr wichtig – dass Kollegen ihren Kopf frei machen vom Thema Schiff und den Problemen, die sie mehr oder weniger stark dadurch haben, dass sie nicht zuhause sein können. Mit solchen Momenten der Entspannung lässt sich eine Arbeitskraft gut erhalten, die Stimmung erhellen und Menschen lassen sich öffnen für Impulse und Ideen, werden in jedem Fall motivierter.
  •  Unterstützend zu den vom Kapitän initiierten freizeitlichen (freiwilligen) Teambuildings können Sicherheitsoffiziere und Chief Mates bei Safety-Trainings im Anschluss noch über “Dies und Jenes” frei gesprochen werden. Hier kann man vor allen anderen Würdigungen aussprechen, Geburtstagsglückwünsche übermitteln, fragen, was ggf. drückt oder gewünscht wird. Hier bietet sich auch die Möglichkeit, bestimmte Mitglieder, die etwas abseits geraten sind, wieder in die Mitte zu nehmen. “Klassenkaspern” könnte man z.B. die Möglichkeit geben bestimmte Sachen erklären zu lassen, und dann die Crew einbringen, was alles vergessen oder verkehrt war – in interessanter, humorvoller Art, ohne jemanden vorzuführen. Miteinander lachen ist wichtig. Den Ernst der Lage vergisst man dennoch nicht.

Team Leader sollte man bestmöglich unterstützen. Mehrere Gruppen / Teams sind an Bord vorhanden. Angefangen von den “Drei Eisheiligen” (Captain, C/M, C/E bzw. Senioroffiziere), die meistens am Frühstückstisch ihre Art von “lockerem Daily Opening Meeting” haben, dann dem Bootsmann und seinem Team und dem Maschinen-Team. Diese einzelnen Teams sollten jeweils völlig klar darüber sein, wer die Ausstattung mit Kompetenz und Befugnis hat. So sollten die Senior-Offiziere, soweit möglich, gut sichtbar vor allen anderen ihren jeweiligen unteren Team-Leadern wie Bootsmann mit einer Art Bevollmächtigung und Entscheidungsbefugnis ausstatten. Denn es gibt nichts Schlimmeres im Team, bis hin zu internen Intrigen, wenn Teammitglieder mitbekommen, dass der Leader korrigiert werden muss. Notfalls muss man das unter Vier Augen klären oder eine andere Facon akzeptieren. Ein Bootsmann, Koch und Ingenieur, der Arbeitskräfte einteilt und Projekte managed muss frei sein in seinen Entscheidungen. Stichwort Koch: Eine gute Küche verlangt einen Künstler. Durch ständiges Reinreden verliert ein Koch seine Motivation (“Künstlerische Freiheit”). Sehr behutsam sollte man einem guten Koch seine Wünsche oder Anregungen nahe bringen.

Die Wichtigkeit der Jobs herausstellen gehört zur Seemannschaft. Gelegentlich, bei Trainings zum Thema Energy Efficiency oder bei Sicherheitsdrills, sollte betont werden, welche Verantwortung die Gesamt-Crew als Team hat angesichts eines unschätzbar hohen Risikokapitals, das Anleger und Kunden des Charters investieren. Zu Recht soll die Crew an den Früchten dieses Business’ teilhaben, aber jeder muss wissen, dass bereits der profanste und ‘billigste’ Job, wie das zuverlässige Abschmieren irgendeines Teils zu einem Ausfall des gesamten Schiffs führen kann, was Unsummen und Arbeitsplätze kosten kann. Es muss also ein Berufsethos der “Guten Seemannschaft” gelegentlich betont werden, auf den man sehr stolz sein kann.

 

Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. Wie kann man das Leben an Bord noch verbessern, die qualifizierte Arbeitskraft an Bord fördern und motivieren?

 

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