Deck Maintenance auf Mega Box Ships

Auf immer größer werdenden Schiffen ist gewöhnliche Seemannschaft und Instandhaltung an Deck alleine bordseitig nicht mehr möglich. Die Besatzungsstärken wurden gegenüber den Ladekapazitäten nur sehr geringfügig bis gar nicht erhöht. Dennoch sollen Schiffsführungen einen reibungslosen Betrieb garantieren und allen Sicherheitsvorschriften standhalten.

Hier der Versuch, einige Anregungen zu geben, wie es mit intelligenter Planung und Strategie klappen sollte.

Deck Maintenance auf Mega Box ShipsPrioritäten setzen:

  1. Sicherheitsrelevante Sofort-Instandsetzung
  2. Sauberkeit ( Hygienevorschriften wie Pest Management, aber auch MLC )
  3. „Worst-First-Strategie“
  4. Maintenance nach Plan (PMS bzw. ISM)
  5. “Kosmetik”

Sicherheitsrelevante Sofort-Instandsetzung

Die Sicherheit der Seeschifffahrt (z.B. Navigationssysteme, Steuerung und Antrieb, Freibordübereinkommen/Schwimmfähigkeit), Rettungssysteme, Brandschutz und Arbeitssicherheit müssen zu allen Zeiten gewährleistet sein, um ein seetaugliches Schiff zu haben. Es wäre verantwortungslos, wenn Störungen diesbezüglich nicht ad-hoc mit sofortiger Wirkung behoben werden würden. Richtigerweise wäre das auch ein Grund, bei einer Port State Control (Flaggenstaatenkontrolle) festgehalten zu werden – mit entsprechenden Konsequenzen, die sich z.B. aus einer Charter Party dann entwickeln. Hier geht es um die Sicherheit der Crew, der Ladung, des Schiffes und der Maritimen Umwelt.

Cargo Safe Access: Der CSAP (Cargo Safe Access Plan) dient der Darstellung aller Wege, die für Hafenarbeiter und -angestellte gefahrlos und gesichert begehbar sein müssen. Relinge, Böden, Beleuchtung, Markierungen, Klappen und alles weitere, das dem sicheren Zugang dient, müssen in Schuss sein. Dazu gehört auch die Gangway. Eine große Herausforderung bei großen Schiffen mit Laschbrücken und großen Laderäumen. Hier drohen Hafenarbeiter-Gewerkschaften häufig mit Arbeitsniederlegungen, wenn sie diesbezüglich nicht zufrieden gestellt wurden. Z.B. vermehrt in Kanada, Australien, USA.

Sauberkeit

Hier geht es nicht nur um den „Ersten Eindruck“, den Hafenbehörden beim Betreten des Schiffes erhalten sollen, sondern um mehr.

  • Garbage Management: Behälterkapazitäten nicht überschreiten, Essensreste so frühzeitig wie möglich entsorgen, Trennvorschriften beachten, Ordnung und Sauberkeit an Deck und im/am Aufbau herstellen
  • Pest Management: Vermeiden, dass das Schiff selbst ein „Übertragungs-Vektor“ wird. Fremde Spezies sollen nicht in wiederum fremde Habitate versetzt werden, wo sie u.U. enormen Schaden anrichten. Bei einem Befall einer bestimmten Spezies, z.B. Mottenart, Ratten, …, können bordseitig normalerweise nur Fremdfirmen beauftragt werden.
  • Antifouling: Für Fauna und Flora gleichermaßen gilt auch Antifouling Management, das sich mit Schiffsbewuchs befasst. Zumeist bordseitig keine Gegenmaßnahmen außer Dokumentation möglich.
  • MLC: Arbeitsschutz, Gesundheitsregularien und Hygienevorschriften in Bezug auf das Wohl der Besatzung. Betrifft die Lagerung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln, die Unterbringung der Mannschaft.

„Worst-First-Strategie“

Der gefährlichste bzw. schlechteste Zustand muss in der Priorität oben stehen. In allen Abteilungen des Schiffes, Deck, Nautik, Maschine, gibt es in der Regel zur gleichen Zeit mehrere sicherheitsrelevante Missstände, die, je nach Einordnung, regelmäßig auftreten während des Betriebs. Um progressive Schäden, Risiken oder Arbeitsstau zu vermeiden muss lebendig reagiert werden, ad-hoc und mit einem gesunden Überblick, um eine tägliche „Worst-First“-Liste abzuarbeiten. Besonders wichtig ist hier ehrliches und klares Reporten gegenüber der Reederei, ggf. ein „Hose runterlassen“, wenn bordseitig selbst etwas nicht mehr bewältigt werden kann durch fehlende Manpower oder Expertise. Dazu sind landseitige Services‘ und Extra-Crews da.

Maintenance nach Plan (PMS bzw. ISM)

Schiffe ab 500 BRZ müssen ein Planned Maintenance System haben, in dem alle Wartungsarbeiten, wiederrum priorisiert nach Kategorien, nach Plan abgearbeitet werden müssen. Häufig handelt es sich um weniger zeitintensive Inspektionen und Gangbarmachungen, die häufig auch delegiert werden kann. Hier laufen alle Dokumentationen der Instandhaltungen und Instandsetzungen zusammen. Verbrauchte Ersatzteile, Werk- und Hilfsstoffe nachbestellen, Inventuren pflegen uvm. sollte hier als Voraussetzung für alle zukünftigen Arbeiten angemessen einfach und schnell bedienbar geschaffen sein. (Siehe Seite PMS)

Deck Maintenance auf Mega Box Ships„Kosmetik“

Für einen guten Eindruck ist das Vermeiden von Rostwasser ein Trick. Rein optisch kann eine kleine Roststelle am Aufbau, an der Außenhaut oder am Lukensüll über die Zeit zu unschönen Ergebnissen führen. Hier empfiehlt sich, einfach nur z.B. in einer „Hau-Ruck-Aktion“ lediglich die obere Kante des Lukensülls und obere Kante der Außenhaut und ggf. anderer Oberkanten am Aufbau zu entrosten und zu malen – mit strikter Anweisung, sich einmalig nur auf das zu konzentrieren. Weitere Rostwasserspuren lassen sich mit dem Übermalen der Leinenklüsen vor jeder Seereise über 5 Tage gut vermeiden. Bleibt man hier mit relativ wenig Aufwand etwas am Ball, ist die Erscheinung des Gesamtschiffs eine ganz freundlichere. Kosmetik eben.

 

 

Problempunkte bei großen Schiffen sind der gesamte Ladungsbereich.

  • Arbeitssicherheit: Die Herausforderung für die Crew, z.B. Schäden an Relingen im Hafen zu entdecken sind immens. Ruhezeiten-Regelungen haben eine 2- bis 3-Mann Hafenwache hervorgerufen, die neben Sicherheitsrunden, Gangwaywache, Leinen justieren, Proviant- und Ersatzteilübernahme noch bis zu 10(!) Ladekräne überwachen soll. Offiziere müssen Reisen vorbereiten, planen, ballasten oder Reporting-Systeme bearbeiten und wirken nur temporär als Unterstützung an Deck. Im Vordergrund steht die Überwachung der Ladungssicherung, Kühlcontainer und nicht zuletzt der Gefährlichen Güter. Somit müsste man demnach nach jedem Hafen eine komplette Bestandsaufnahme an Deck machen, um die Arbeitssicherheit für die Hafenarbeiter im Folgehafen sicherzustellen. Das betrifft auch loses Laschmaterial, das durch Herunterfallen eine Gefahr darstellt.
  • Korrosion: Ab einem bestimmten Schiffsalter und je nach Einsatz des Schiffes, kann die Crew alleine nicht wirkungsvoll und nachhaltig den Ladebereich instand halten.
  • „House-Keeping“ und Deck Waschen: Ein aufgeräumtes Deck nach alter Seemannschaft benötigt mit voller Deckmannschaft bei großen Schiffen schon mal mindestens 2 Tage, wenn es darum geht, loses Laschmaterial, Abfälle von Hafenarbeitern, etc. zu beseitigen und auch sagen zu können, dass das Schiff nach Pest Management eine Selbst-Inspektion durchgeführt hat. Möchte man das Deck im Ladungsbereich (80-90% des Decks) auch noch sauber haben und alle Crossbays waschen, dann kommen bis zu 7 Tage dazu. Ein Regenschauer, der zwar Container an Deck und die Lukendeckel darunter säubert, kann allerdings die Arbeit des Deck-Waschens wieder in Zeitverschwendung umwandeln, wenn dann wieder alles in die Crossbays und Gangboards gespült wurde. Eine Faustregel für viele Chief Mates ist daher, erst nach einem starken Regenschauer, das Deck waschen zu lassen und nur, wenn absehbar ist, dass kein Regen mehr kommt. Am besten bei Gattlage.

 

 

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