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Seemännische Bräuche, Bezeichnungen und Kulturgut  

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Kielpilot
(@keine Angabe)

Moin Kollegen,

Seit geraumer Zeit mache ich im Gespräch mit jungen Seeleuten die Erfahrung, daß früher allgegenwärtige seemännische Bezeichnungen, Bräuche und Kulturgüter stark auf dem Rückzug sind, obwohl sie auch heute noch Relevanz haben.

Bislang habe ich dann die Erfahrung gemacht, daß entsprechende Hinweise dankbar angenommen wurden.

So möchte ich hier dazu aufrufen, in loser Folge, wie es in den Sinn kommt, derartiges aufzulisten und zu erklären und fange gleich mal an:

1.) Eine Holzdeckladung, Lüfterköpfe (Schwanenhälse), Magnetkompanten u.v.m. werden mit PERSENNINGEN (engl. "tarpaulin")abgedeckt, eine Plane hat man an Bord höchstens für den Grill.

2.) Der SEEMANNSSONNTAG ist der Donnerstag. Morgens gab es "Eier nach Wahl", früher war mittags AUSSCHEIDEN (Feierabend) und nachmittags gibt es Kuchen zum Kaffee. Für den Feierabend gibt es außer dem AUSSCHEIDEN noch das FOFFTEIN als Bezeichnung.

3.) Beim Flaggensetzen gilt die Reihenfolge - Flagge des Schiffes - Gastlandflagge - Reedereiflagge - Signalflaggen.

Die Gastlandflagge wird immer an Steuerbordseite gesetzt.

4.) Das Grüßen eines anderen Schiffes per Typhon erfolgt mit "drei lang", nach einer kurzen Pause beantwortet mit "drei lang" vom anderen Schiff.

5.) "Moin" gilt als Grußform 24 Stunden am Tag.

6.) Die Flaggen dürfen kein künstliches Licht sehen ... nachts sind Flaggen runter zu nehmen.

7.) Aus Berlinern wurde an Bord meist "Atze", aus Bayern oder Österreichern "Seppl" oder "Zenzi". Ein Kurt wird schnell zu "Kuddel", ein Johann zu "Hannes" und ein Fritz, Frederik oder Friedrich zu "Fiete".

8.) Marine ist die "graue Dampfer Kompanie". Meist sehen die mit einer gewissen Geringschätzung auf uns ... und kommen nicht im Traum darauf, daß das umgekehrt genau so ist!

9.) Ein Schiff der gleichen Reederei ist ein "Kompanieschiff", ein baugleiches Schiff ist ein "Schwesterschiff".

10.) Als "Gottes eigene Reederei" bezeichnet man Hapag-Lloyd.

11.) "Die Süd" ist die langläufige Bezeichnung für die Reederei "Hamburg- Süd".

12.) Auf- und Abdecken in der Messe ist das AUF- und ABBACKEN.

13.) Die deutsche Flagge ist der ADENAUER.

14.) Steile Treppen an Bord sind NIEDERGÄNGE.

So, nun gerne weitermachen, sicher fällt vielen dazu was ein.

Zitat
Veröffentlicht : 5. September 2013 0:40
marinero
(@marinero)
Admin

[quote:653d356084="Kielpilot"]
4.) Das Grüßen eines anderen Schiffes per Typhon erfolgt mit "drei lang", nach einer kurzen Pause beantwortet mit "drei lang" vom anderen Schiff.
[/quote:653d356084]

…und dann noch ein ganz kurzer vom ersten Schiff hinterher. So kenn ich das.

[quote:653d356084="Kielpilot"]
5.) "Moin" gilt als Grußform 24 Stunden am Tag.
[/quote:653d356084]

Genau! Weil "Moin" nämlich nichts mit "Morgen" zu tun hat, sondern in etwa "gut" bedeutet, so in etwa wie das französische "Ca va?" "Oui! Ca va!".

[quote:653d356084="Kielpilot"]
6.) Die Flaggen dürfen kein künstliches Licht sehen ... nachts sind Flaggen runter zu nehmen.
[/quote:653d356084]

Das hab ich mal als "flaggen wie die Huren" gelernt, konnte mir aber keiner den Zusammenhang erklären. Hintergrund wird wohl ganz einfach Sparsamkeit sein, weil die Flaggen früher teuer waren und es einfach unnötig ist, sie nachts oben (und damit weiter verschleißen) zu lassen…

[quote:653d356084="Kielpilot"]
8.) Marine ist die "graue Dampfer Kompanie". Meist sehen die mit einer gewissen Geringschätzung auf uns ... und kommen nicht im Traum darauf, daß das umgekehrt genau so ist!
[/quote:653d356084]

"What aa ju sinking abaut" sag ich nur… 😀

Marinero

😀

Zitat
Veröffentlicht : 6. September 2013 9:18
Unterwasserbesan
(@keine Angabe)

Genau! Weil "Moin" nämlich nichts mit "Morgen" zu tun hat, sondern in etwa "gut" bedeutet, so in etwa wie das französische "Ca va?" "Oui! Ca va!".

:D[/quote]

Es gibt aber auch die Möglichkeit: "Ik wünsch Di een moien Dag!" (oder abgekürzt "Moi'n Dag!" = Moin)

...aber darüber streitet wohl die Fachwelt noch.

😛

Zitat
Veröffentlicht : 6. September 2013 12:45
marinero
(@marinero)
Admin

[quote:8e82e75bb3="Unterwasserbesan"]
...aber darüber streitet wohl die Fachwelt noch.

:P[/quote:8e82e75bb3]

Das stimmt zwar, aber wenn der DUDEN von den sehr vielen Deutungen, die es zweifelsfrei gibt, diese mit "gut" übernimmt, dann gibts keine Diskussion mehr. 😉

Zitat
Veröffentlicht : 6. September 2013 14:53
KaeptnBlaubaer
(@keine Angabe)

[quote:06a9ff94e6="Kielpilot"]10.) Als "Gottes eigene Reederei" bezeichnet man Hapag-Lloyd.[/quote:06a9ff94e6]

Wir sagten immer: "Da kommen die Schwulen"

Deren Logo sieht so als, wenn der eine dem anderen seinen Dödel hinten reinschiebt 😆 😉

Zitat
Veröffentlicht : 6. September 2013 17:49
Kielpilot
(@keine Angabe)

[quote="marinero"][quote:1561dda945="Kielpilot"]
4.) Das Grüßen eines anderen Schiffes per Typhon erfolgt mit "drei lang", nach einer kurzen Pause beantwortet mit "drei lang" vom anderen Schiff.
[/quote:1561dda945]

…und dann noch ein ganz kurzer vom ersten Schiff hinterher. So kenn ich das.

Wobei ich auf Traditionsschiffen noch erlebt habe, daß ohne den "ein kurz" hinterher gegrüßt wurde.

Irgendwie hat sich der "Kurze" hinterher so ab Mitte der 80er Jahre immer mehr eingebürgert, keine Ahnung warum.

Wenn man in alten Büchern über das Grüßen eines anderen Schiffes mittels Typhon liest, sind auch immer nur die "drei Lang" erwähnt.

Ich mache das allerdings nun auch mit dem "Kurzen" hinterher, das ist ja weitestgehend Usus geworden.[quote:1561dda945][/quote:1561dda945]

Zitat
Veröffentlicht : 20. September 2013 1:14
Sailorhuby
(@Hubert Breitscheid)

jepp..das waren haarige Dinger.
Konnte man spitzenmäßig drauf sitzen...beim Rostmschine an Deck fahren.

Zum fendern war das Teil, wenn es nass war viel zu schwer.
Da nahm man lieber einen Autoreifen oder den Holzbalken.
Hab mal auf einem gesessen, den man zuvor im Hafen vor die Schietspeigatten, anstatt des Bleches, gehangen hatte.
Der muffte noch wochenlang.

Auf spobos nimmt man heute den Kugelfender....
ich mag beide nicht...

8)

Zitat
Veröffentlicht : 4. November 2016 11:37
Kielpilot
(@keine Angabe)

[quote:5ac7e99108="Sailorhuby"]jepp..das waren haarige Dinger.
Konnte man spitzenmäßig drauf sitzen...beim Rostmschine an Deck fahren.

Zum fendern war das Teil, wenn es nass war viel zu schwer.
Da nahm man lieber einen Autoreifen oder den Holzbalken.
Hab mal auf einem gesessen, den man zuvor im Hafen vor die Schietspeigatten, anstatt des Bleches, gehangen hatte.
Der muffte noch wochenlang.

Auf spobos nimmt man heute den Kugelfender....
ich mag beide nicht...

8)[/quote:5ac7e99108]

Mensch, Du sagts es, so nebenher: Speigatten heißen die Dinger, nicht "Abflüsse"!

Zitat
Veröffentlicht : 6. November 2016 20:14
Daniel-Pete
(@keine-angabe-29)

Erstmal, hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_seemännischer_Fachwörter_(A_bis_M)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_seemännischer_Fachwörter_(N_bis_Z)

Ist eigentlich nahezu komplett..

Und zu deinem Beitrag:

[quote:df971460fc]2.) Der SEEMANNSSONNTAG ist der Donnerstag. Morgens gab es "Eier nach Wahl"[/quote:df971460fc]
Erklär das mal dem Philippinischen/Ukrainischen/... Koch. Dann kriegst du gar nix mehr 😉

[quote:df971460fc]6.) Die Flaggen dürfen kein künstliches Licht sehen ... nachts sind Flaggen runter zu nehmen[/quote:df971460fc]

In einigen Arabischen Staaten [b:df971460fc]muss[/b:df971460fc] die Flagge nachts beleuchtet werden, und wehe sie ist schmutzig ($$$).

[quote:df971460fc]Seit geraumer Zeit mache ich im Gespräch mit jungen Seeleuten die Erfahrung, daß früher allgegenwärtige seemännische Bezeichnungen, Bräuche und Kulturgüter stark auf dem Rückzug sind, obwohl sie auch heute noch Relevanz haben. [/quote:df971460fc]

Wer das Glück hat in der Spezialschifffahrt untergekommen zu sein hat evtl. auch noch deutsche Crew. In der Containerfahrt war ich meist der einzige Deutsche an Bord. Dass dann neben russisch maximal noch einige Worte Englisch gesprochen wurde ist ja fast schon verständlich.

Es ist zwar schade, aber die Zeiten der Seefahrtromantik sind leider längst vorbei - Und das nicht nur wegen des ISPS + 9/11.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 5. September 2013 11:08
Kielpilot
(@keine Angabe)

[quote:4fb9956a25="Daniel-Pete"]Erstmal, hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_seemännischer_Fachwörter_(A_bis_M)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_seemännischer_Fachwörter_(N_bis_Z)

Ist eigentlich nahezu komplett..

Und zu deinem Beitrag:

[quote:4fb9956a25]2.) Der SEEMANNSSONNTAG ist der Donnerstag. Morgens gab es "Eier nach Wahl"[/quote:4fb9956a25]
Erklär das mal dem Philippinischen/Ukrainischen/... Koch. Dann kriegst du gar nix mehr 😉

[quote:4fb9956a25]6.) Die Flaggen dürfen kein künstliches Licht sehen ... nachts sind Flaggen runter zu nehmen[/quote:4fb9956a25]

In einigen Arabischen Staaten [b:4fb9956a25]muss[/b:4fb9956a25] die Flagge nachts beleuchtet werden, und wehe sie ist schmutzig ($$$).

[quote:4fb9956a25]Seit geraumer Zeit mache ich im Gespräch mit jungen Seeleuten die Erfahrung, daß früher allgegenwärtige seemännische Bezeichnungen, Bräuche und Kulturgüter stark auf dem Rückzug sind, obwohl sie auch heute noch Relevanz haben. [/quote:4fb9956a25]

Wer das Glück hat in der Spezialschifffahrt untergekommen zu sein hat evtl. auch noch deutsche Crew. In der Containerfahrt war ich meist der einzige Deutsche an Bord. Dass dann neben russisch maximal noch einige Worte Englisch gesprochen wurde ist ja fast schon verständlich.

Es ist zwar schade, aber die Zeiten der Seefahrtromantik sind leider längst vorbei - Und das nicht nur wegen des ISPS + 9/11.[/quote:4fb9956a25]

Wenn ich Gespräche mit jungen Seeleuten machte, dann meinte ich schon diejenigen unserer Landsleute, die ich noch an Bord finde, nicht den phillipinischen Koch.

Arabische Staaten: sicher, habe ich in Jeddah auch erlebt. Man muß aber ja nicht das bekloppte Verhalten einiger Hafenstaaten gut finden oder allgemein anwenden, allzumal es ja nur um die dortige Gastlandflagge geht.

Seefahrtsromantik: Hey, Du schnackst hier nicht mit einem Landmenschen, sondern mit einem Kollegen. Als ich noch Steuermann auf einem KüMo war, da sagte mir mal ein ganz alter Kollege auf meine Aussage, daß die Seefahrt wohl nicht mehr so ist, wie sie mal war: " ... ach wissen Sie, die Seefahrt war noch NIE so, wie sie angeblich mal war. Es war und ist immer das, was derjenige will und daraus macht!"

Ach ja, einen habe ich noch: Fracht ist nicht Ladung.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 5. September 2013 15:52
Seite 1 / 6

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