SARV-CoV-2 – Die Entwicklung bisher

SARV-CoV-2 - Die Entwicklung bisherViele Seeleute sitzen auf Schiffen fest

wissen nicht um ihre Ablöse – während gleichzeitig ebenso viele Ablöser, oftmals ohne Urlaubsfortzahlung zuhause sitzen. Landgänge werden unmöglich, sogar Arztbesuche sind oft nur im äußersten Notfall mit hohen bürokratischen Hürden möglich. Es gab bereits psychologisch bedingte “Schiffsausfälle”, weil die Nerven an Bord nach viel zu vielen Monaten ohne Ablöse blank liegen. Lieferungen von Proviant, Ersatzteilen funktionieren, wenn überhaupt, nur erschwert. Jedes Land, jeder Hafen kocht sein eigenes Süppchen aus Maßnahmepaketen.

Wie es insgesamt um die globale Wirtschaft steht, ist ein historisches Experiment, das es noch nicht einmal in Weltkriegen gegeben hat. Eine Kernschmelze für viele Volkswirtschaften, wenn sie den Shutdown bzw. Lockdown weiter führen müssen. Und immer wieder stellt sich heraus, dass wir mit der Datenlage, die zur Basis solcher staatstragenden Entscheidungen geführt hat oder führt, sehr dünn ist. Die Forschung scheint in vielen Bereichen noch immer am Anfang zu sein, was Übertragung, Infektionsfälle, Sterblichkeit und vieles mehr betrifft. Viele Statistiken sind fragwürdig – beispielsweise, ob “Coronatote” MIT oder DURCH Covid-19 gestorben sind, da immerhin hoch betagte Menschen und Risikogruppen die mit Abstand meisten Opfer zu sein scheinen. Auch wissen wir noch nicht, wie viele Menschen sich bereits infiziert haben und somit immun sind. Die WHO kann nur Schätzungen abgeben und geht seit Oktober 2020 davon aus, dass über 700 Millionen Menschen (10% der Weltbevölkerung) das Virus wohl bereits hatten und in einer ihrer Publikationen vom 14.10.2020, dass sich die Infektionssterblichkeit aufgrund von 61 Studien nun auf etwa 0,23% beziffern lässt. Ein Impfstoff wird erst frühestens nächstes Jahr erwartet, das deutsche Robert-Hoch-Institut geht jedoch davon aus, dass es nicht vor Mitte 2021 verfügbar sein wird. Heilmittel könnten evtl. eher gefunden werden, wie z.B. Antikörper aus bereits immunen ehemaligen CoVid-19-Patienten, die bereits gesundet sind.

Für Schiffsführungen gibt es viele Maßnahmen-Empfehlungen der WHO

die unbedingt zu befolgen sind. Dabei gilt auch zusätzlich der gesunde Menschenverstand. Infektionen vermeiden, Infektionen ANDERER vermeiden durch Atemschutzmasken oder Bedeckung von Mund und Nase. Händedesinfektion ist äußerst wichtig, da eine häufige Übertragung nicht nur von Rachen zu Rachen erfolgt, sondern auch Finger zu Auge/Nase/Mund. Die absolute Direktive an Bord und an Land muss sein, dass Schiffe nicht infiziert werden. Solange ein Land-Schiff-Personenverkehr extrem minimiert oder sogar ganz ausgeschlossen werden kann, z.B. indem man niemanden in den Aufbau lässt und das meiste digital abwickelt, ist allen sehr weit geholfen. Sobald aber auch nur ein Seemann infiziert ist, ist der weitere Verlauf aus bereits gemachten Erfahrungen vorprogrammiert. Abgesehen von den gesundheitlichen Gefahren für die Betroffenen in einem Umfeld ohne professionelle Hilfe, kann die für das Schiff selbst für unabsehbare Zeit zum Totalausfall führen. Quarantäne, kompletter Betriebsausfall, zusätzliche Bunkerkosten und sehr aufwändige Evakuierungen. Auch an die Kunden, die sehr wichtige Ladungspartien erwarten, wie beispielsweise medizinische Produkte, sollte man bei dem kommenden Elend nicht vergessen.

Deshalb liegt es in der Hand, dass Crews bestens vorbereitet sind in Sachen Prävention, Reedereien genug und rechtzeitig proviantieren und ausrüsten, Hafenbetriebe klare Regeln zum Mundschutz, Abstandhalten und der digitalen Verarbeitung durchsetzen.

Die globalisierte Welt ist ein Organismus, der stirbt, wenn Güter nicht mehr zirkulieren. Eine wichtige Schlagader ist die Seefahrt. Das Versagen eines Einzelnen kann hier besonders exorbitanten Schaden derzeit anrichten. Training, Ausrüstung und Disziplin sind gefragt – mehr als jemals zuvor!

Eindringen des Virus’ von Landseite aus

Der wohl sicherste Ort vor einem Erreger ist wohl ein Schiff auf dem Ozean. Man kann sich gewiss sein, dass eine Übertragung eines Virus’ von einem auf den anderen nicht stattfinden kann, solange es nicht existiert, weil es nie die Bordwand überschritten hat. Damit dieser hoch-sichere Ort “Schiff” einer bleibt, ist es also essenziell, dass Personen von außen nicht “spreaden” können

  • der Land-Schiff-Verkehr sollte so gut wie möglich minimiert werden. Die Digitalisierung macht es möglich, dass Formulare, Ladepläne und sogar Audits, Inspektionen, Kontrollen, etc. in Form von e-Mail, Konferenzschaltungen etc. gemacht werden können
  • Lotsen sollten die Crew sehr gut abschirmen, indem sie medizinische Masken tragen, sehr guten Abstand halten, ggf. von der Brückennok aus oder per Funk kommunizieren und am besten weder Fahrstuhl von den Weg durch den Ausbau benutzen. Die Brücke sollte gut durchlüftet sein und jede involvierte Person Abstand halten plus permanenten Mundschutz tragen. Gegenstände, die der Lotse benutzt hat, Radar, Funk, Sitz, Stifte und Oberflächen sollten nach Lotsung desinfiziert werden – Räume mit Stoßlüftung ventiliert werden
  • Schauerleute / Stevedores sollten an der Gangway NICHT kontrolliert werden. Der Gangways-Watchman sollte stattdessen nach dem ISPS-Credo “Safety-before-Security” handeln und seine Sicherheit und die der Crew best-möglichst schützen, indem er großen Abstand hält und nur die Sicherheit des Sicheren Zugangs zum Schiff gewährleistet. Auch Personen, die Cargo-Watch leisten, sollten maximalen Abstand halten zu jedem “Externen”. Relinge und die Gangway sollten nur mit Handschuhen angefasst werden.
  • Crewwechsel ist ein Thema für sich: Natürlich sollten die Reedereien dafür sorgen, dass Besatzungsmitglieder möglichst gut getestet sind und so instruiert sind, dass ein Einschleppen des Virus’ möglichst gut vermieden werden kann. In den ersten Tagen an Bord sollten neue Crewmitglieder unbedingt noch gut Social Distancing und die erweiterten Hygieneregelungen beachten, um ein Restrisiko weiter zu minimieren.

Das Thema Corona ist ein Dauerbrenner der stark polarisiert, der Konsens sollte aber klar sein

natürlich ist es nicht verständlich, sich lediglich an Inzidenzien und den Zahlen der Neuinfektionen zu orientieren, die Zahl der Hospitalisierungen und die der neuesten geschätzten Infektionssterblichkeit sei wesentlich entscheidender. Das meinen viele und haben bei einer nun offiziellen von der WHO anerkannten Sterblichkeit mit “nur” 0,23% sicherlich recht (bei unter 70-Jährigen sogar nur 0,05%). Der Grund für die Gefährlichkeit – und das sollte der allgemeine Konsens sein – ist allerdings die Konsequenz, dass

  • Gesundheitssysteme entweder überlastet oder anderweitig unzugänglich werden können (auch aufgrund des Vorhaltens von ICU-Betten und der Infektionsminimierung innerhalb der Krankenhäuser und Praxen). Somit können auch völlig andere Krankheiten und Verletzungen hochriskant für den Einzelnen werden, da er ggf. schlicht und einfach nicht die Behandlung an Land bekommt, wie sonst üblich oder sogar gar keine (!). Umso wichtiger ist in dieser Zeit das Thema Gesundheitsfürsorge, Arbeitsschutz und Risikominimierung bei ALLEM, was man derzeit an Bord macht – auch in der Freizeit (Sportunfälle zB)
  • Sollte ein SARS-CoV-2-Ausbruch an Bord stattfinden, kann das für alle Beteiligten ein riesiges Problem werden. Je nach Zielhafen, Folgehäfen, Flagge, etc. kann dies finanziell zu einem Desaster werden für die Reederei und Investoren und führt inklusive Quarantäne zu einem “Sich-Selbst-Überlassen-Sein” für eine gewisse Zeit für Schiff und Crew. Im Schlimmsten Fall und je nach Örtlichkeit sind sogar keine Notversorgungen bei medizinischen Problemen oder der Proviantierung mehr vorhanden.

Es spielt also keine Rolle und macht keinen Sinn, darüber zu debattieren, ob Infektionen nun besonders gefährlich sind, oder nicht. Sie sind in den genannten Aspekten für Gesamtcrew, Schiff, somit Ladung und Reederei/Investoren äußerst gefährlich! Der einzige Vorteil an Bord ist, dass man “unter sich” sehr gut geschützt ist.