Status quo und der Versuch einer Prognose für die Seefahrt

 

Status quo und der Versuch einer Prognose für die SeefahrtDie letzten Jahre war für die Seefahrt und insbesondere auch für Seeleute sehr wechselhaft. Die Märkte haben sich konsolidiert, viele Schiffe gingen vom Markt, viele XXL-Einheiten kamen dazu. Zudem haben sich die großen Allianzen weiter vergrößert und es scheint inzwischen so, dass die Überlebenden der immer noch anhaltenden Krise gestärkt dastehen, da vieles bereits ‘markt-bereinigt’ ist.
Ein großer Schock ging durch die Schifffahrtswelt, als bekannt wurde, dass Hamburg Süd mal eben so verkauft werden konnte, ohne sichtbare Anzeichen zuvor, und obwohl diese ehrwürdige und traditionsreiche Reederei selbst in den schwierigsten Jahren seit den Lehmann Brothers immer schwarze Zahlen schrieb. Man kann an dieser Stelle nur hoffen, dass Job nicht unter die Kategorie ‘Markt-Bereinigung’ fallen.
Das Bundesverkehrsministerium und die letzten Maritimen Konferenzen haben den deutschen Reedern sehr geholfen. Einerseits konnten einige Reeder und Arbeitsplätze damit (indirekte Subventionen und Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung) überleben, andererseits stellt sich die Frage, ob auch dem Nachwuchs damit ein Gefallen getan wurde bzw. dem maritimen Know-how im Gesamten.
An Bord hat sich das Arbeitsklima verbessert. MLC und die damit strikte Einführungen von Höchstarbeitszeiten und Mindestruhezeiten sind endlich in die Praxis gekommen. Reedereien müssen darauf reagieren und der Trend geht dahin, dass man krisenbedingte Personaleinsparungen nicht nur rückgängig gemacht hat, sondern sogar eher personell aufstockt, wie z.B. mit der Einführung von 4. Offizieren auf großen Schiffen.

Die kommende Zeit sehr interessant werden!Status quo und der Versuch einer Prognose für die Seefahrt

  • Ab spätestens 2020 werden alle Schiffe mit niedrigem Schwefelgehalt im Kraftstoff (ULSFO, LS) fahren müssen. Ältere Schiffe, die damit nicht betrieben werden können, werden ausgemustert werden müssen, was das Angebot für Tonnage senken wird.
  • Schon 2018 werden viele Schiffe mit einem zugelassenen Ballast Water Treatment System ausgerüstet sein müssen.
  • 25% der weltweiten Handelsflotte ist aber älter als 20 Jahre und die Umrüstungen werden sich nicht lohnen und dieser Teil der Flotte wird sicherlich in einem riesigen Verschrottungsprogramm enden und vom Markt gehen.
  • Kleine Einheiten mit eigenem Ladegeschirr sind besonders veraltet und wurden in Neubau-Programmen nicht bedacht! Aktuell heißt es, dass 1.700 TEU Schiffe mit Ladegeschirr wieder sehr begehrt sind und oft höhere Charterraten als Panamax-Schiffe bringen. Kleinere Schiffe mit Ladekränen werden bald dringend benötigt werden, wenn die Märkte in Afrika, Südamerika und Fernost weiter anziehen – und große Schiffe ihre Zubringer benötigen.
  • Große Reedereien wie CMA CGM zeigen uns, wie es geht: LNG-Antriebe für 22 22.000 TEU Giganten – und das mit guter ökonomischer UND ökologischer Energy Efficiency.
  • China hat angekündigt, sich aus dem Containergeschäft ‘etwas’ zurückzuziehen, was einer nicht-privatwirtschaftlichen Marktverzerrung sicherlich zugute kommen wird.
  • Trotz des Donald Trump’schen Protektionismus ist die Weltwirtschaft um fast 3% stärker am wachsen, als es zuletzt die weltweite Tonnage tat, womit richtige Schiffsauslastungen für einkömmliche Charterraten bald wieder da sein könnten.

 

Wenn diese Trends anhalten, ein geeintes Europa für Stabilität und Währungssicherheit sorgt und auch ansonsten keine unvorhergesehenen Verwerfungen auftreten, sollte die jetzige Entwicklung einen positiven Blick nach vorne geben. Für alle Beteiligten in der Seefahrt. Schönes Neues 2018 !

 

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